Hermann-Schafft-Schule

Technische Hilfsmittel

Es gibt viele verschiedene Arten von Hörschädigungen. Darum gibt es auch viele unterschiedliche Hörhilfen.

Je nach Art und Schweregrad der Hörschädigung kann eine andere Hörhilfe die richtige sein:

 

Zusätzlich zur Versorgung mit individuellen Hörhilfen gibt es weitere technische Hilfsmittel. Richtig eingesetzt können diese Geräte die Hörsituation in der Schule entscheidend verbessern.

Am häufigsten werden die folgenden Geräte eingesetzt:

 


 

Hörhilfen

 

Hörgerät (HdO)

 

Ein Hörgerät ist die wohl bekannteste Art einer Hörhilfe.

Hörgeräte können sowohl bei Schallempfindungsschwerhörigkeiten als auch bei einigen Formen der Schallleitungsschwerhörigkeit zum Einsatz kommen.

Ein Hörgerät nimmt zunächst den am Ohr eintreffenden Schall über ein oder mehrere Mikrofone auf. Ein von einem Akustiker speziell auf die Hörschädigung abgestimmter Verstärker im Hörgerät erhöht die Leistung der eintreffenden Signale. Dabei werden die verschiedenen Frequenzbereiche immer nur genau in dem Maße angehoben, wie sie von der Hörschädigung betroffen sind. Die so verstärkten Signale werden dann über einen Lautsprecher an das Ohr gesendet.

In der Schule begegnet man am häufigsten den sogenannten HdO-Hörgeräten. Die Abkürzung „HdO“ steht für „Hinter dem Ohr“ und erklärt, wie diese Geräte getragen werden:

Hinter dem Ohr wird das eigentliche Hörgerät getragen. Ein kleiner durchsichtiger Schlauch verbindet dann das Hörgerät mit dem sogenannten Ohrpassstück, das genau in das Ohr und den Gehörgang eingepasst ist. Durch den Schlauch und das Ohrpassstück gelangt der im Hörgerät aufbereitete und verstärkte Schall dann ins Ohr.

 

Cochlea-Implantat (CI)

 

Eine Versorgung mit einem Cochlea-Implantat (CI) kommt oft dann in Frage, wenn der durch eine Schallempfindungsschwerhörigkeit verursachte Hörverlust so groß ist, dass auch mit Hörgeräten nur noch ein sehr geringes oder gar kein Sprachverstehen mehr erreicht werden kann.

Ein CI funktioniert darum völlig anders als ein Hörgerät: Schall wird nicht wie bei einem Hörgerät verstärkt und weitergeleitet. Stattdessen wird der am Mikrofon des CIs eintreffende Schall in elektrische Potentiale umgewandelt, die dann in dieser Form an den Hörnerv abgegeben werden.

Meist lässt sich ein CI an der Sendespule erkennen, die über ein Kabel mit dem Audioprozessor verbunden ist. Der Audioprozessor wird dann wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen. Die Sendespule hält durch einen Magneten über dem eigentlichen (von außen nicht sichtbaren) Implantat am Kopf.

Am Audioprozessor wird der Schall über ein Mikrofon aufgenommen, in elektrische Impulse umgesetzt und diese dann über die Sendespule durch die Haut hindurch an das Implantat weitergegeben. Von hier werden die Impulse über einen langen, feinen Elektrodenstrang in der Hörschnecke (Cochlea) als elektrische Potentiale an den Hörnerven abgegeben. Die Elektroden ersetzen so die Funktion der geschädigten/ fehlenden Haarsinneszellen im Innenohr. Der Hörnerv leitet die elektrischen Signale an das Gehirn weiter, wo sie als akustisches Ereignis wahrgenommen werden.

Ohne ihr CI (also wenn das CI oder die Sendespule abgenommen wird, oder die Batterien leer sind) sind CI-Trägerinnen/ -Träger in der Regel auf dem entsprechenden Ohr taub.

 

Knochenleitungshörgerät

 

Knochenleitungshörgeräte können bei Schallleitungsschwerhörigkeiten zum Einsatz kommen.
Der beeinträchtigte Weg des Schalls über das Außen- und Mittelohr wird dabei umgegangen, indem der Schall als Vibration über den Schädelknochen an das Innenohr (die Cochlea) geleitet wird.
Das Innenohr darf bei dieser Art der Versorgung natürlich nicht oder zumindest nicht zu stark beeinträchtigt sein.

Zu den in der Schule am häufigsten anzutreffenden Varianten dieser Hörgeräte gehören die BAHA und die BONEBRIDGE.

BAHA“ ist eine Abkürzung und steht für „Bone Anchored Hearing Aid„, also in etwa „knochenverankerte Hörhilfe“.
Bei einer BAHA wird eine Titanschraube im Schädelknochen hinter dem Ohr auf der betroffenen Seite implantiert. An der Schraube wird dann von außen das eigentliche Hörgerät befestigt.
Das Mikrofon im Hörgerät nimmt den am Ohr eintreffenden Schall auf, verstärkt ihn und wandelt ihn in Vibrationen um. Diese Vibrationen werden mechanisch an die Schraube übertragen, von wo aus sie über den Schädelknochen bis zur im Schädelknochen liegenden Cochlea weitergeleitet werden.

Gelegentlich wird das Knochenleitungshörgerät auch nicht über eine Schraube mit dem Schädelknochen verbunden. Stattdessen wird versucht, es mit einem Stirnband möglichst fest an den Kopf anzudrücken, damit die mechanische Übertragung funktioniert.

Die BONEBRIDGE ist dagegen ein implantiertes Knochenleitungshörgerät. Von außen ist nur der Audioprozessor zu sehen, der durch einen Magneten über einem Implantat am Kopf hält. Das Mikrofon im Audioprozessor nimmt den am Ohr eintreffenden Schall auf und wandelt ihn in elektrische Signale um, die durch die Haut an das Implantat gesendet werden. Das Implantat wandelt diese Signale dann in Vibrationen um. Diese Vibrationen werden dann wieder wie beim BAHA über den Schädelknochen bis zur im Schädelknochen liegenden Cochlea weitergeleitet.

 

CROS/ BICROS

 

Bei einer einseitigen hochgradigen Schwerhörigkeit/ einseitigen Taubheit kann eine sogenannte CROS-Versorgung in Frage kommen.

Die Abkürzung „CROS“ steht für „Contralateral Routing Of Signal„, was die Funktionsweise eines solchen Systems beschreibt: Schall wird auf die andere Kopfseite „umgeleitet“.
Auf beiden Seiten wird dabei ein Gerät getragen, das wie ein Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO) aussieht. Am Gerät auf der von der Hörschädigung betroffenen Seite wird der dort eintreffende Schall aufgenommen und drahtlos an das Gerät auf dem hörenden Ohr weitergeleitet.

Das normale Hören des gesunden Ohres wird dabei nicht beeinflusst. Durch die Versorgung können nun allerdings auch Klänge, die am nicht hörenden Ohr ankommen, aufgenommen, im Gehirn verarbeitet und damit gehört werden.

Wenn auf dem besser hörenden Ohr ebenfalls eine Hörminderung vorliegt, kann das Gerät auf dieser Seite gleichzeitig auch als Hörgerät eingesetzt werden. Man spricht in diesem Fall von einer BICROS-Versorgung.

 


 

Zusatztechnik

 

Zusätzlich zur Versorgung mit individuellen Hörhilfen gibt es weitere technische Hilfsmittel.
Richtig eingesetzt können diese Geräte die Hörsituation in der Schule entscheidend verbessern.

Am häufigsten werden die folgenden Geräte eingesetzt:

 

Übertragungsanlage

 

Eine Digitale Übertragungsanlage (manchmal auch „DAÜ“ für „Drahtlose Akustische Übertragungsanlage“ genannt) besteht aus einem Sender mit Mikrofon, den die Sprechende/ der Sprechende (in der Schule also in der Regel die Lehrkraft) trägt, und Empfängern, die mit den Hörhilfen verbunden sind. Die Stimme der Sprechenden wird so drahtlos direkt in die Hörhilfen eingespeist.

Der Sinn einer Übertragungsanlage ist es, die durch zunehmende Entfernung der Lehrkraft immer geringer werdende Lautstärke auszugleichen. Sie sorgt außerdem für einen gleichbleibenden Höreindruck und kann in einem gewissen Maße auch das Hören im Störschall erleichtern.

Richtig eingesetzt kann eine Übertragungsanlage hörgeschädigten Schülerinnen und Schülern das Hören in vielen Hörsituationen erleichtern.

 

zusätzliche Handmikrofone

 

Wird im Unterricht eine Übertragungsanlage eingesetzt, ist die damit verbundene Verbesserung der Hörsituation für angebundene Schülerinnen/ Schüler mit einer Hörschädigung meist nur in Bezug auf die Kommunikation mit der Lehrkraft gegeben.

Eine Weitergabe des Lehrkraftgeräts an alle Mitschülerinnen und Mitschüler, die einen Wortbeitrag leisten möchten, ist meist nicht praktikabel.

So können die Vorteile der Übertragungsanlage in praktisch allen nicht vollständig lehrkraftzentrierten Unterrichtssituationen nicht genutzt werden. Wichtige Äußerungen von Mitschülerinnen/ Mitschülern werden nicht über die vorhandene Anlage übertragen und es besteht weiterhin in großen Teilen des Unterrichtsalltags eine unsichere Hörsituation für Schülerinnen/ Schüler mit einer Hörschädigung.

Die Nutzung von zusätzlichen Handmikrofonen für die Schülerinnen und Schüler kann die Kommunikationssituation in der Klasse deutlich verbessern.

 

Soundfieldanlage

 

Digitale Übertragungsanlagen können nicht nur mit den individuellen Hörhilfen von Schülerinnen und Schülern mit einer Hörschädigung verbunden werden, sondern zusätzlich oder alternativ (abhängig von der Art der Hörschädigung, der Versorgung und der Situation vor Ort in der Schule) auch mit einer Soundfieldanlage.

Eine Soundfieldanlage ist ein Beschallungssystem, das dafür sorgt, dass die Stimme einer sprechenden Person (in der Schule z.B. der Lehrkraft) im gesamten Raum lauter und besser verständlich wahrgenommen wird.

Dies bringt gerade in Verbindung mit zusätzlichen Handmikrofonen zahlreiche Vorteile mit sich:

  • alle in der Klasse – Schülerinnen und Schüler wie Lehrkräfte – profitieren vom Einsatz der Anlage und der Handmikrofone, da alle besser hören und gehört werden können
  • alle in der Klasse haben ein unmittelbares Feedback darüber, wie gut sie über die Anlage gehört werden (so kann ggf. schnell die Mikrofonhaltung korrigiert und/ oder Störgeräusche abgestellt werden)
  • die Mikrofonnutzung erfolgt nicht mehr ausschließlich nur für die Schülerinnen/ den Schüler mit einer Hörschädigung

 

andere drahtlose Empfangsgeräte

 

In einigen Fällen, z.B. bei einseitigen Hörschädigungen, bei denen ein Ohr noch gut hören kann, oder bei Auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS), können auch ansonsten nicht mit einer Hörhilfe versorgte Ohren an eine Digitale Übertragungsanlage angebunden werden.

Dies geschieht mithilfe eines kleinen drahtlosen Empfangsgeräts, das so ähnlich wie ein Hörgerät aussieht und bei Bedarf auch so getragen werden kann.

Der Vorteil eines solchen Zusatzgeräts bei einseitigen Hörschädigungen ist, dass das Signal der Übertragungsanlage damit auch an das guthörende und nicht nur an das durch die Hörschädigung beeinträchtigte und entsprechend mit einer Hörhilfe versorgte Ohr stattfindet.

Auch bei bestimmten Formen einer AVWS können solche im Unterricht auf beiden Ohren getragenen Empfangsgeräte die Hörsituation der betroffenen Schülerinnen/ Schüler wesentlich verbessern.