Hermann-Schafft-Schule

Schulhund

Schulhund Jori liegt auf dem Rasen und schaut in die Kamera

Wie alles begann…

Im Jahr 2017 haben sich Jori, ein Mini-Australian-Shepherd-Rüde, und ich auf den spannenden und erlebnisreichen Weg zur Schulhunde-Team-Ausbildung gemacht. Inzwischen blicken wir auf viele schöne Jahre Einsatz im Schulalltag zurück. Jori ist im besten Alter und noch wie eh und je motiviert und freudig dabei.

 

Was soll ein Hund in der Schule?

Der Einsatz von Hunden in der Schule stellt eine Form der tiergestützten Pädagogik dar. Darunter ist „eine zielgerichtete, geplante und strukturierte Intervention, die von professionellen Pädagogen (…)angeleitet und/oder durchgeführt wird“[1] zu verstehen. Für die Hundegestützte Pädagogik werden der Hund und die pädagogische Kraft im Team gezielt für den Einsatz an Schulen ausgebildet.

 

Aufgrund der Erfolge des Hundeeinsatzes gibt es in Deutschland bereits viele Schulen, die Hunde als Co-Pädagogen einsetzen. Schulhundweb.de, eine der bekanntesten themenbezogenen Internetseiten Deutschlands, gibt an, dass bei ihnen derzeit bundesweit 372 Schulen mit Schulhunden registriert sind. Greift man auf die Erfahrungen zurück oder auf die zahlreichen Publikationen, die schon zu diesem Thema veröffentlicht wurden, lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen:

„Schulhunde können helfen beim Abbau von:

  • Angst
  • Hyperaktivität (ADS und ADHS)
  • Sprachstörungen
  • Einsamkeit und Langeweile.

Schulhunde unterstützen zudem:

  • die Förderung aller Sinne durch Stärkung der Wahrnehmung sowie der Kommunikationsfähigkeit
  • die Förderung der Fein- und Grobmotorik
  • die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenz, Schüler sind in der Regel
  • später teamfähiger
  • die Stärkung des Selbstwertgefühls und Aufbau eines positiven Selbstkonzepts
  • die Förderung der Konzentrationsfähigkeit, Kreativität und Fantasie
  • die Stärkung des Durchhaltevermögens
  • die Erfüllung von Bedürfnissen nach Wärme, Nähe und Zusammensein
  • die Förderung des allgemeinen Wohlbefindens
  • den Aufbau von Vertrauen und Eingehen von Beziehungen.“[2]

 

Dieses Potential lässt sich in der Schulischen Arbeit in vielfältigsten Einsatzfeldern zu Nutze machen, wie Jankowski und Köse in ihrer Übersicht darstellen:[3]

Die vielfältigen positiven Wirkungen von Schulhunden lassen sich in drei Wirkungsfaktoren zusammenfassen:

  • die Stressreduktion auf psychischer und physischer Ebene, und damit eine verbesserte Leistungsbereitschaft
  • „die Förderung positiver sozialer Interaktionen und Beziehungen
  • die Förderung einer guten Lern-Atmosphäre“ durch Entspannung, positiver Emotionen und Motivation“[1]

Dies können Hunde auf unterschiedliche Weise bewirken. Zum einen durch ihre regelmäßige stundenweise Anwesenheit im Klassenraum (Präsenzhund), zum anderen durch gezielte und strukturierte Interaktionssettings im Rahmen des sozialen Kompetenztrainings, der Leseförderung uvm. Eine weitere Form ist der Einsatz als Besuchshund in Schulklassen zur Vermittlung altersgerechter Wissensinhalte über Hunde. Er kann in ganzen Klassen sowie im Fördersetting von Kleingruppen oder einzelnen Schülerinnen und Schülern eingesetzt werden.

 

[1] vgl. Andrea Beetz: „Hunde im Schulalltag – Grundlagen und Praxis“ 3. Auflage, Reinhard, 2015, S. 106
[1] Andrea Beetz: „Hunde im Schulalltag – Grundlagen und Praxis“ 3. Auflage, Reinhard, 2015, S. 14
[2] vgl http://schnauzenwelt-geht-in-die-schule.de/Startseite/ 24.06.2016
[3] Dr. Jablonowski, K. und Köse, C.: „Co-Pädagoge Hund“. Kohl-Verlag. 2015, S.33


 

Welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sind notwendig?

Der Einsatz von Jori als Schulhund erfordert verlässliche Voraussetzungen in vier Bereichen:

  1. Seine charakterliche Eignung und die gezielte Ausbildung des Mensch-Hunde-Teams für den Schulischen Einsatz
  2. Ein definiertes pädagogisches Einsatzfeld des Teams, welches Arbeits- und Ruhezeiten umfasst sowie klare Regeln im Umgang mit dem Schulhund beinhaltet
  3. Die Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen im Bereich Hygiene, Versicherungsschutz, Tiergesundheit und Tierschutz
  4. Das Einverständnis aller beteiligten Personen und Institutionen[1]

 

1. „Jori“ und Frau Poetter unter der Lupe

Jori wurde gezielt wegen seines offenen, angstfreien und kinderfreundlichen Wesens sowie seiner hohen Lern- und Arbeitsmotivation ausgewählt. Von Beginn an wurde er schrittweise an die Anforderung im schulischen Alltag herangeführt, um ihn für seinen Einsatz optimal vorzubereiten. Inzwischen ist er ein erfahrener Begleiter im Schulalltag.

 

Überblick über die Team-Ausbildung
Ausbildung des Grundgehorsams Schulhundeteamausbildung
Conny Reiß Hundeschule und Hundephysiotherapie, Homberg (Efze) (08.16 – 03.17): Welpenschule, Junghundetraining

Hundeschule Flying-Paws, Melsungen

(Seit April 2017): Junghundetraining Grundkurs II 2x, gezielte Module (Leinenführigkeit, Kontrolle im Freilauf, scent detection), Einzelstunden, Offene Trainingseinheiten), Hundeführerschein

Beschäftigungskurse (Mantrailing, Tricktraining)

Weiterbildung

für die Schulhundeteamausbildung

„SchnauzenWelt geht in die Schule“, Hattersheim (09.16 – 02.18)

Einsatzbezogene Arbeits- und Fortbildungstermine zur Sicherung der Qualität im Rahmen der Mitgliedschaft in den Arbeitskreisen Schulhund Mittel- und Nordhessen

 

Die gesundheitliche Eignung wird regelmäßig ärztlich bescheinigt.

[1] vgl. http://www.lindenschule-aachen.de/wp-content/uploads/2015/06/Konzept-Schulhund5-5-15.pdf, S. 4, 8.10.2017

Ich habe als Hundehalterin die Aufgabe das Wohlbefinden von Jori im Blick zu behalten und proaktiv Stress zu reduzieren. Dies erfolgt u.a. durch ausreichende Pausen und definierte Ruhezonen und -zeiten während des Schulalltags. Herausfordernde oder bedrängende Situationen für Jori habe ich klar zu regeln, sowie stetig den angemessenen Umgang mit Jori anzuleiten und zu vermitteln, um seine Motivation für den Schuleinsatz langfristig zu sichern sowie zu gewährleisten, dass er sich stets angemessen und gefahrenfrei gegenüber den Menschen in der Schule verhält.

 

Pädagogisches Einsatzfeld und Regeln

Jori begleitet mich ein- bis dreimal in der Woche zwischen vier bis sechs Stunden im Unterricht mit hörgeschädigten Schülerinnen und Schülern. Die Häufigkeit und Dauer variiert je nach Tagesform des Hundes und den aktuell geplanten Unterrichtsvorhaben. Die Wege, Gebäude und Unterrichsträume sind ihm vertraut. Sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch Jori sind mit viel Freude und Vertrautheit im Kontakt.

Voraussetzung für das harmonische Miteinander sind klare Regeln:

  • Jori wird nur berührt, wenn er unangeleint ist
  • Wir respektieren „Joris“ Ruheplatz und stören ihn dort nicht
  • wir gehen langsam im Klassenraum
  • wir verhalten uns leise
  • wir achten gut auf unsere Gegenstände
  • Jori frisst nur Hundefutter
  • Es gilt in der Regel: ein-Hund-ein-Kind (Jori findet es schöner, wenn ihn nicht alle gleichzeitig streicheln, ansprechen oder Kommandos geben)
  • Wir sagen, wenn uns etwas mit/an Jori stört oder verängstigt. Wir dürfen uns immer sicher fühlen

Die überwiegende Zeit fungiert Jori als Präsenzhund in den Klassen und begleitet uns im Schulalltag, bei Ausflügen und Klassenfahrten. Er strahlt Ruhe und Geborgenheit aus, kümmert sich um Schülerinnen und Schüler, denen es mal nicht so gut geht, und genießt mit Freude ausgiebige Streicheleinheiten. Je nach Unterrichtsphase hält er sich an seinem Ruheplatz oder frei im Raum bzw. bei einzelnen Schülerinnen und Schülern auf.

Gelegentlich werden gezielte Interaktionssequenzen mit Jori durchgeführt, die entweder die Wissenserweiterung zum Thema Hund, die sozial-kommunikative Interaktion oder die Deutsch- bzw. Matheförderung in den Fokus stellen.

Beispiele von Handlungen mit dem Hund sind:

  • Haltung, Ernährung, Pflege, Bedürfnisse von Hunden („Wir fragen Jori“)
  • Drinnen: Kommandos erteilen (Sitz, Platz etc.) („Wie versteht mich Jori gut? Wie verstehen wir uns untereinander gut?“ – freundlich, aber klar!); draußen: gemeinsam Wippen, Rutschen, Balancieren, Springen auf dem Schulspielplatz/ Gassirunde: Führen an der Leine, Suchspiele
  • Brettspiel „Dogtivity“, Aufgaben erschnüffeln etc.

Vertrauensspiele wie „Mutprobe“ (Jori erschnüffelt auf dem Körper verteilte Leckerlies)

 

Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen

Hygiene:

Entsprechend der Hygienevorschriften hat Jori in Räumen, in denen Lebensmittel verarbeitet werden, Zutrittsverbot. Das Hundezubehör wird separat gelagert und gereinigt. Vor der Nahrungsaufnahme und nach dem Hundekontakt werden die Hände gewaschen.

Versicherungsschutz

Jori ist haftpflichtversichert, wodurch auch der Einsatz in der Schule abdeckt ist.

Tiergesundheit und Tierschutz

Jori arbeitet mit wenigen Ausnahmen (Klassenfahrt) höchstens an drei Tagen in der Woche und pro Tag maximal sechs Unterrichtsstunden. Es stehen ihm ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und Ruhezeiten zur Verfügung. In der Freizeit wird für genügend Erholung und Auslastung gesorgt.

Er wird regelmäßig zu ärztlichen Gesundheitskontrollen vorgestellt und es werden Maßnahmen zur Endo- und Ektoparasitenprophylaxe durchgeführt.

 

Einverständnis aller Beteiligten

Für die Implementierung eines Schulhundes wurden folgende Einverständnisse eingeholt.

  • Genehmigung der Schulleitung
  • Genehmigung des Schulträgers (LWV)
  • Zustimmung der Gesamtkonferenz
  • Zustimmung des Elternbeirats
  • Zustimmung der Eltern der Einsatzklassen

Bei Wechsel der Einsatzklassen werden vorab die Elterneinwilligungen eingeholt.

Verfasserin: Lena Poetter, Sonderpädagogin